Dienstag, 23. November 2010

Die heilige Zeit

Ob es wohl Zufall ist, dass der christliche Glaube genau in der Zeit gefeiert wird, in der alle von der winterlichen Schwermut erfasst werden? Wahrscheinlich, denn der Ursprung jener alten Geschichte, wegen deren Unglaubwürdigkeit und unzähligen Ausschmückungen sich die verschiedenen Glaubensrichtungen immer noch regelmässig in die Haare geraten, soll ja gänzlich ohne Schnee ausgekommen sein. Auch dürfte es wesentlich wärmer und somit auch heller gewesen sein als hierzulande, so dass ein klimatischer Hang zur Depression eher unwahrscheinlich ist.
Ich jedenfalls bin bereits vor Beginn des Weihnachtsrummels völlig ausgebrannt. Und schlimmer noch - ich bin nicht die Einzige. Die kosmische Tendenz zu tragischen Ereignissen hat in den letzten Wochen nicht abgerissen; wo man hinschaut oder -hört, kämpfen Leute mit Verlusten oder körperlichen Einschränkungen. Mir selbst geht es körperlich gut, aber ich stelle fest, dass ich mehr und mehr auf Sparflamme laufe um überhaupt noch funktionsfähig zu sein. Mir fehlt das Licht, die Wärme, die fröhlichen Farben. Nicht mal der frisch gefallene Schnee konnte mich - im Gegensatz zu meinen Schülern - so recht begeistern. Ich bin einfach nur müde. Und, wie in einem Spiegel, geht's allen in meiner Familie. Wer spiegelt nun wen?
Irgendwo muss doch noch ein Funke glimmen, den man zum wärmenden Feuerchen anfachen könnte! Irgendwie müsste doch Licht in die ganze Sache gebracht werden können, das unser aller Augen wieder zum Leuchten bringt! Manchmal gelingt es für einen kurzen Moment, lachen wir und schlieden Pläne - um dann gleich wieder kraftlos in die Kissen zu sinken und aus den wärmenden Federn nie wieder rauskriechen zu wollen.
Es ist ein trauriges Jahr, Weihnachten als Fest der Freude will nicht so recht überzeugen. Aber wer weiss, vielleicht kommt ja doch von irgendwo ein Lichtlein her, das den Energiefunken wieder zu zünden vermag ...

Kommentare:

  1. klingt wirklich nicht erbaulich, ist aber gerade auch für mich nachvollziehbar. Aber ich persönlich sehe schon in der Ferne ein Leuchtturmfunke auf einer kleinen, aber wunderschönen Insel nicht nur plinken, sondern auch nach uns rufen. "Schönried". :)
    Lasse uns diese Enregieoase ansteuern und entsprechend auch da verweilen. Ich freue mich nun auf Weihnachten. ;-)

    De Isch.

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  2. Hallo Dodo,
    dann schicke ich Dir jetzt mal eine Großpackung "Kraft".
    Wünsche Dir eine gesegnete Adventszeit mit genügend Stille im Trubel.
    Liebe Grüße
    Ika

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  3. Das klingt aber traurig, liebe Dodo.

    Versuche das Weihnachtsfest mit deiner wunderbaren Familie zu genießen. Das Wichtigste ist, dass ihr immer alle ganz fest zusammenhaltet. Dann seid ihr stark.

    Alles Liebe für dich, Rolf und deine Kinder. Sei fest umarmt
    Martina

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  4. Liebe Ika, liebe Martina,
    danke für die guten Wünsche.
    Gerade haben Rolf und ich in Eiseskälte 200 Flyer verteilt für unsern kleinen Weihnachtsmarkt dieses Wochenende. Dieses gemeinsame Projekt macht Freude, auch wenn es viel zu tun gibt nebst allem andern. Die innere Krise ist vorüber, hoffen wir, dass der Anlass auch dem Laden den gewünschten Kick gibt!
    Das Weihnachtsfest mit der Familie wird ebenfalls eine Herausforderung. Meine Eltern sind in eine Alterswohnung umgezogen - nicht freiwillig - und nichts ist mehr, wie es immer war...
    Liebe Grüsse und auch euch beiden eine schöne und wärmende Weihnachtszeit
    Dodo

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