Sonntag, 27. Dezember 2020

Rauhe Nächte 2020

Nun sind sie also da, die Rauhnächte dieses rauhesten aller Jahre, die ich erlebt habe. Zeit zur Rückschau, zum Ausmisten und Loswerden, damit das neue Jahr unbeschwert kommen kann. Das Jahr 1 nach Covid19. Oder das Jahr 2 mit Corona?

Also kommen wird es so oder so. Wir werden damit leben - wenn wir können. Aber schliesslich gibt es noch andere Kriterien, die mithelfen, aus dem kommenden Jahr ein gutes Jahr zu machen. Und diese Kriterien liegen im Wesentlichen darin, WAS wir machen aus dem, was soweiso kommt!

Was also will ich hinter mir lassen, weil ich es nicht mehr brauche, es mich vielleicht sogar beschwert oder hindert? Und was will ich stattdessen mitnehmen, weil es mich beflügelt und ermutigt oder eben neu aufbauen und erfinden?

Diesen Blog, den ich endlich wieder reaktivieren konnte (Ich hatte die zugehörige Mailadresse gelöscht - man muss also gut aufpassen, WAS man hinter sich lässt!), werde ich auf jeden Fall wieder als Inspiration mitnehmen. Schreiben gehört zu mir und ich habe es allzulange sträflich vernachlässigt.

Dann wartet da oben, in unserer Grossbaustelle des Jahres 2020, noch ganz viel auf Fertigstellung. Immerhin war es eine gute Idee, das Haus einer teilweisen Renovation zu unterziehen, während man ja sonst kaum was unternehmen konnte - auch wenn wir dadurch lange in Schutt und Staub hausen mussten. Auch mal eine Erfahrung - es kann nur noch besser kommen. Und das Beste daran: Wir haben es selbst in der Hand, dies auch zu erreichen.

Unsere Gesundheit - jetzt mal abseits der Covid-Ängste - braucht auch eine Kursänderung. Wir beide sind zu gut genährten und wenig bewegten Mittfünfzigern geworden. Im knackigen Alter, wie man so schön sagt. Aber eben, schön ist das nicht, wenn's überall schmerzt und zwackt. Da möchten wir beide schon was tun dagegen. Rolf schielt auf die Fitnesscenter, die ja noch geschlossen sind. Ich denke eher an Pilates oder Yoga und will auch versuchen, mich da wieder selbst zu aktivieren. Etwas Platz, Musik, eine fest reservierte Zeit - das müsste doch zu organisieren sein ...

Musik, ja, auch so ein Stichwort. Dafür will ich unbedingt wieder mehr Zeit reservieren oder auch einfach öfter kurz ans Klavier oder die Gitarre sitzen - oder die Flöte, vielleicht gar das Saxophon, obwohl ich mit dem Ding nicht so recht klarkomme. Jedenfalls 1x täglich mindestens 10 Minuten musizieren - das klingt doch machbar und attraktiv.

Aber die Frage war ja, was lasse ich zurück?
Auf jeden Fall möchte ich mich von einigen Glaubenssätzen und Erwartungshaltungen verabschieden, die mich im Schulalltag ziemlich aus der Bahn geworfen haben, weil sie im Coronazeitalter nicht mehr voraussetzbar sind. Wenn ich zu meinem Selbstbild als gute Lehrerin zurückfinden will, dann muss ich da einiges ändern. Die Kinder sind die Symptomträger dieser verrückten Zeit. Nichts funktioniert mehr wie vorher. Also zurück auf Start und neues Spiel. Dieses denke ich dann in der ersten Januarwoche durch.

Und ebenfalls zurücklassen möchte ich meine Schneckenhaustaktik. Diese war notwendig und richtig, um mich vor all den neuen Schreckensbotschaften zu schützen. Aber sie ist nicht förderlich, wenn es darum geht, neue Wege zu beschreiten, sprich: "anders weiter" zu gehen. Dazu muss ich schon mal rauskommen. Nicht gleich "tadaaa", aber doch immer wieder deutlich: Ich bin da! Ich schreibe, also bin ich. Ich bin, also schreibe, rede, wirke ich. Und ich glaube endlich mal das, was andere mir zurückmelden: Ich mache es gut! Ich werde auch die Kurse gut machen, die die liebe Sandra für uns beide gebucht hat. Es macht so grossen Spass, diese vorzubereiten! Und es zeigt mir, dass ich mit HEB da was habe, was wirkt! Indem ich mir überlege, wie ich es anderen Menschen erklären und nahebringen kann, wirkt es auch gleichzeitig bei mir, holt mich heraus aus der 2020-Lethargie und zeigt mir meine eigenen Chancen auf. 

Ich habe mir auch versprochen, mich im April zu entscheiden, wie ich weitergehen will. Ob ich auch den Lehrerinnenberuf als Hauptstandbein hinter mir lassen will, um endlich Zeit für andere Dinge zu haben. Oder ob ich die anderen Dinge nach und nach abgebe und mich endlich voll und ganz auf die Schule und ihre Erneuerung konzentriere und mich dort verstärkt einsetze. Beides ist mir einfach zu viel und bremst sich ständig gegenseitig aus. 

Nun, ich wollte eigentlich nur ein paar Gedanken festhalten zu den Rauhnächten, der Zeit des Loslassens und Vorbereitung auf die Erneuerung ... Vielleicht fange ich einfach mit der immer noch leeren Mulde vor dem Haus an. Mit dem Entsorgen von handfestem Gerümpel, das mir den Weg zu meiner Musikecke versperrt.

Morgen geht's los! Ich freue mich!!!




Montag, 2. November 2020

Endlich! Ich habe mich wiedergefunden!

Endlich! Ich schreibe wieder - das Leben geht weiter!

Heute habe ich es endlich fertiggebracht, a) meinen Blog wieder zu finden, b) meine infolge Namensänderung gelöschte Mailadresse wieder zu aktivieren und mir so Zugang zu meinem Bloggerkonto zu verschaffen - und sehe zu meinem grossen Erstaunen, dass ich c) ziemlich genau vor 4 Jahren mich mit ähnlichen Gedanken rumgeschlagen hatte, wie heute - wieder? Immer noch? Nun ja, um einiges heftiger waren sie damals schon! Und dies aus gutem Grund, wie ich heute weiss. Immerhin hatte ich danach den Sprung, den Absprung aus dieser Mobbingsituation geschafft und hier neuen und guten Boden gefunden.

Kurz - ich bin wieder da! Und den Entwurf von kurz vor meinem Fünfzigsten habe ich auch gleich veröffentlicht mit Originaldatum. Ich lebe also trotz langer Schreibpause noch - und habe fest im Sinn, mich hier wieder aufzurappeln und dranzubleiben! Juhuuuu!

 

nachdenklich

Folgenden Post habe ich hier gefunden, geschrieben im November 2016, hängend im leeren Raum, so, wie ich mich damals fühlte ...  Spannend!

Nach langer Zeit habe ich plötzlich wiedermal das Bedürfnis meine Gedanken in die Tasten fliessen zu lassen. Tagebucheintrag. Lese es, wer will.
Es ist ein wunderschöner Oktobertag Anfang November, so richtig zum Geniessen. Nach einem grossartigen Kleinauftritt in der letzten originalen Quartierbeiz Solothurns mit meiner auseinanderbrechenden, vielleicht aber nach diesem tollen Abend nun doch nur pasuierenden Band bin ich nun einigermassen ausgeschlafen, habe mein letzte Woche erreichtes knappes Kilo Abnehmziel mit einem extrem leckeren Stück Tarte Citron aus der Hausbäckerei meines Göttergatten etwas relativiert und werde mich gleich an eine Arbeit machen, die mich sehr freut. Es müsste mir also wunderbar gehen.
Aber gleichzeitig schwingt all das mit, was sich in den letzten Wochen, Monaten und Jahren angesammelt hat an Pendenzen, Folgen und schlechtem Gewissen aus Aufgeschobenem oder Vergessenem, Druck und Stress durch eigene oder fremde Erwartungshaltungen und Verschleisserscheinungen - seelisch und körperlich. Ich bin müde. Und dies eigentlich immer. Ich habe Schmerzen. Und dies mittlerweile fast konstant. Ich sehe, höre und fühle Alarmzeichen, erkenne sie, versuche zu reagieren, aber die Termine, die ich organisieren will, beim Arzt, beim Masseur, die kommen nicht an. Keine Reaktion via Mail oder Telefon. Auch die Gynäkologin hat nicht reagiert auf meine Anfrage (ich müsste sie halt mal wiederholen). Ich komme mir vor wie auf einem Laufband, das so alt ist, dass es schon lange quietscht und wackelt und immer langsamer läuft, und ich laufe darauf weiter und frage mich, ob es wohl zuerst einfach ganz stehen bleiben wird oder doch noch irgendwann durch die Reibung Feuer fängt und in Flammen aufgeht.
Angezogene Handbremse.
Wo in mir?
Wer hat sie angezogen bzw. wer könnte sie lösen?
Klar ich selbst. Aber wie? Womit? Wann? In welcher Form?

Jeder Rückzug vom Tagesgeschehen löst einen anschliessenden erhöhten Einsatz zum Aufholen der aufgeschobenen Arbeit aus. Jede Arbeit, die ich früh genug ausführen will, um mich nachher erholen zu können, füllt entweder die ganze zur Verfügung stehende Zeit aus, ohne den versprochenen Freiraum noch zu gewähren, oder ich trödle so lange herum mit Anfangen, dass ich am Schluss unerholt doch noch stressen muss.
Jeder erzielte Erfolg hat irgendwo einen Haken - mache ich etwas besonders gut, stecke ich damit die Erwartungshaltung wieder noch höher und will/muss danach so weiterfahren und entsprechenden Einsatz weiterhin leisten.
Irgendwo in mir sitzt ein Antreiber. Einer, der mir einflüstert: Die dürfen nicht merken, dass du das gar nicht kannst.
Perfide, so ein Satz! Er sagt mir gleichzeitig, dass ich es nicht kann und dass ich so tun muss, als ob ich es könne. Professionell sein. Gut genug. Wenn mich etwas interessiert und ich überzeugt bin davon, setze ich mich sofort auch unter den Zwang, es propagieren, umsetzen und verteidigen zu müssen. Und da ich loyal bin, muss ich dies so tun, dass es für alle stimmt und in alle Systeme passt, denen ich angehöre. Die Schule, das Coaching, die Familie, die Partnerschaft, der Freundeskreis, zu allen will ich passen, mich einfügen - aber auch was Besonderes sein und herausragen.
.... Ja, ich kenne das von früher. Ganz klar, meine Kindheit. Ich muss hier nicht weiter darauf eingehen, aber ja, es ist dieses Chamäleonleben zwischen Wohnort Schloss und Vorstadtkameraden. Und heute? Gegensätze zuhauf, die ich miteinander zu vereinen versuche. Noch immer mache ich den Spagat von A nach B (Ich habe diese Nacht von Schaukelringen geträumt, zwar nicht mit Spagat, aber in der Turnhalle mit Schülerinnen, denen ich natürlich kein bisschen gerecht wurde und ihnen nichts beibringen konnte, weil alles nicht geklappt hat, wie ich wollte und ich überhaupt ja gar nicht vorbereitet war ... Was sagt mir das?) und meine, mein Körper halte das aus. Aber mein Körper, meine Seele, mein ganzes Ich wird fünfzig in wenigen Monaten. Es wäre wohl an der Zeit, mich mal erholen zu dürfen, meinen selbstgemachten Stress mal aufzuräumen und das zweite halbe Jahrhundert in einer gemässigteren Gangart, mit etwas kleineren Spannweiten und vor allem in mir selbst einig und klar voranzugehen.
Ich möchte mich mal wieder richtig um Freunde und Familie kümmern können, das Haus und den Garten pflegen statt verkümmern zu lassen, wieder meine eigenen Vorlieben ausleben statt das, was ich meine mir auferlegen zu müssen, und mich mal wieder aktiv kreativ erleben statt irgendwelche Pendenzen abarbeitend...
... ich sehe aber an diesem schönen warmen Herbsttag nur Berge von altem Laub und habe das Bedürfnis mich darunter zu verkriechen und den Winterschlaf anzutreten. Vielleicht bringt der Schnee etwas Ruhe - wenn er denn kommt.