Sonntag, 13. März 2011

Zugfahrt ins Innere

Still ist es, frühmorgens im Zug. Sonntag. Und doch schon so viele Leute. Wo die wohl alle hinwollen? In der Gegenrichtung wäre es klar: Auf die Ski. Aber wer muss um diese Zeit schon nach Zürich, am Sonntag, wo die Geschäfte geschlossen sind? Vielleicht zum Flughafen? Dazu fehlen die grossen Gepäckstücke. Aber egal, es geht mich ja nichts an.
Ich bin selber so früh unterwegs, fahre nach Zürich um mich wieder für einen Tag zurückzuziehen, auf mich selber zu besinnen in unserer kleinen Gruppe, die sich dreimal im Jahr zu diesem Zwecke trifft. Es ist längst mehr als „nur“ Familienstellen – wir sind in den 11 Jahren zur zweiten Familie geworden, wissen übereinander fast so viel wie über die eigenen Verwandten, oder vielleicht auch mehr. Denn wer bespricht schon seine innersten Nöte und quälendsten Fragen mit den nächsten Bezugspersonen, die es vielleicht sogar betrifft? Da ist es doch viel angenehmer, ein bisschen Abstand zu nehmen und sich in einem vertrauten Rahmen ins Nichts fallen zu lassen im Vertrauen darauf, gehalten und begleitet zu werden. Wie viele meiner wichtigen Schritte haben sich so bereits angebahnt, sind zur vollen Kraft geraten und wie viele Dummheiten wurden so verhindert oder wieder auf den richtigen Kurs gebracht? Das Bauchgefühl, das Vertrauen in das eigene Empfinden für Richtig oder Falsch gestärkt? Oder wie oft durfte ich mich und meinen Körper und Dunstkreis schon als Seismopgraph für die Stimmungen und Empfindungen meiner Gruppenmitglieder zur Verfügung stellen. Ein herrliches Gefühl, wenn ich Emotionen durch mich hindurch fliessen lassen kann, wissend, dass sie nicht meine eigenen sind, mich nicht betreffen und auch nicht bleiben werden. Dennoch bedeuten diese Momente eine enorme Erweiterung meines eigenen Erfahrungsschatzes, aus dem ich wiederum für mich und meine Klienten schöpfen kann.
Da fahre ich nun hin, in unsere Oase mitten in Zürich diesmal, im Turnus bei den einzelnen Teilnehmern. Keine Ahnung, was ich gerade mitbringe, noch viel weniger, was ich nach Hause nehme. Ich freue mich.

Kommentare:

  1. Huhu Dodo,

    ja sowas finde ich wichtig. Ich habe vor allem in den letzten 1,5 Jahren gemerkt, dass gerade über Gefühle zu reden sehr wichtig ist. Was bringt es immer alles in sich hinein zu fressen und jede Last alleine zu tragen?

    Viel Spaß dir heute und vor allem einen ruhigen Start in die neue Woche!

    Alles Liebe

    Laura

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  2. Liebe Laura
    Danke. Ja, es war happig heute. Mein Anliegen, das sich nach dem Schreiben im Zug in mir plötzlich offenbart hatte, wurde zuerst ganz falsch angegangen - fand ich - und drehte sich um etwas, das ich als Symptom, aber nicht als Ursache empfand. Sie schickten mich dann raus, um untereinander zu besprechen, wie sie mit mir "verfahren" wollten und der Kollege, der sich zuerst am wenigsten stark fühlte um mit mir zu arbeiten, machte dann mit mir eine ganz geniale Gestalttherapie - die hat voll gesessen! Ich fand mich heulend an einem äusserst wunden Punkt wieder, den ich einige Jahre, wenn nicht gar mein Leben lang gut verdeckt gehalten hatte. Es ist schon spannend, was die Psyche alles zustande bringt und erfindet, wenn es darum geht, sich vor Verletzungen zu schützen. Nur ist man leider dadurch auch nicht mehr in der Lage, das eigentliche Problem anzugehen, sondern bastelt irgendwo an der Peripherie herum, was oft genug wieder neue Verwirrungen und Verletzungen bringt.
    Nun, ich denke, dass ich mal am Knackpunkt angelangt bin. Ich fühle mich noch etwas aufgewühlt und erschlagen, müde vor allem und etwas verletzlich. Aber aus dem richtigen Standpunkt gesehen, dem des betreffenden Gegenübers, z.B., habe ich mir wohl meine Schuld- und Unzulänglichkeitsgefühle selbst gebastelt und mich umsonst ständig zu verbiegen versucht. Und das schön regelmässig immer wieder. Ich bin nun einfach mal gespannt, wie es sich anfühlen und entwickeln wird, wenn ich so bin wie ich bin ohne mich dafür in irgend einer Weise entschuldigen zu wollen. Es ist nämlich gar nicht so leicht herauszufinden, was meins ist und was ich andern zuliebe mache oder um mir selbst irgendwas zu beweisen. Das muss ich jetzt Stück für Stück überprüfen und entsprechend handeln. Und dann kommt's gut. So, wie ich das möchte!
    Von wegen ruhiger Start :-)
    Wünsche ich dir aber!
    Liebe Grüsse
    Dodo

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  3. Ist es am Ende nicht auch ein gewisser Zwang, wenn man sein will wie man selber sein möchte? Wäre es nicht einfacher einfach zu sein wie man ist, ohne sich vielleicht entsptrechend verbiegen zu müssen?

    Ein nachdenklicher zwischen Regalen eingebauter rolf.

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  4. Ja, Rolfi, wenn du das so darlegst, tönt es doch ganz einfach, nicht wahr?
    :-)
    Dodo

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