Dienstag, 8. März 2011

Tauchgang

Gestern hat's mich voll erwischt. Da sind meine Gefühle kurzerhand auf Tauchgang gegangen. Ein paar harmlose Gedanken beim gemeinsamen Kaffee haben mich ungebremst in eine Tiefe gezogen, von der ich geglaubt hatte, sie für immer überwunden zu haben. Dabei ging es nicht einmal so sehr um die aktuelle Situation - ihr wisst schon: kein Geld, zu viele selbstauferlegte Aufgaben, nirgends die Aussicht auf ein baldiges Fertigwerden - sondern um einen endlosen Rattenschwanz von Selbstbemitleidung, wie es dazu kommen konnte, wer und was alles dazu beigetragen hatte, wo ich welche Fehler gemacht oder auszubaden habe und überhaupt, was von diesem einst so hoffnungsvoll begonnenen Lebensplan noch übrig geblieben ist.
Es versteht sich von selbst, dass jeglicher Aufmunterungsversuch seitens Rolf scheitern musste. Ich zog mich nach ursprünglich männlicher Manier in meine Höhle zurück und schmollte mit mir selbst und der gesamten Umwelt. In dieser Reihenfolge. Rolfs Aussage, er mache sich Sorgen um mich, traf ins Schwarze. Ich mir auch.
Und so erwachte ich heute früh nicht wirklich ausgeruht, aber doch immerhin mit etwas mehr Schlaf auf dem sonst so penetrant leeren Konto, positiv genug eingestellt, um mich mit homöopatischem, mineralischem sowie pflanzlichem Aufheller zu versorgen, damit der Tag eine angenehmer werde.
Ziel erreicht. Die Sonne sowie die Schüler halfen mit und die Wirkung hält tatsächlich immer noch an. Es geht mir gut, ich war heute richtig produktiv und sogar kreativ und freue mich auf morgen.
Nein, kein Grund zur Sorge. Erstens kenne ich solche Taucher von früher bestens und weiss daher auch, dass es immer wieder ein Auftauchen gibt. Ich erkenne den Lichtschimmer der Oberfläche und somit die Richtung. Zweitens bin ich prinzipiell ein Zweckoptimist. Jammern geht mir entsetzlich auf die Nerven. Darum halte ich meine eigene entsprechende Laune selten lange aus. Meist entstehen daraus wieder extrem positiv gerichtete neue Dinge, die mir Zeit, Geduld, Geld und den letzten Nerv rauben, aber den Weg nach oben auf jeden Fall erst mal mit Raketenantrieb starten. Mich also zum Aufstehen zwingen, da ich sowieso nie lange liegen kann. Und drittens habe ich gar keine Zeit für solche Spässe... Was, wenn ich schlapp mache? Geht nicht! Ist nicht! Also Sparflamme! Denn viertens: Durch Burn-outs in meinem Umfeld und Coaching inklusive gesteigerte Selbstbeobachtung weiss ich schon lange, dass es irgendwann nicht mehr so weitergeht. Ich bin also gewarnt und trete sofort innerlich kürzer, wenn ich sowas aufkommen fühle. Ein Schritt zurück. Nur das Nötigste, zuerst aber mindestens ein Power-napping, wenn nicht eine Extraportion Extraschlaf. Das Nötigste kann warten oder zur Not auch verschoben oder abgesagt werden. Und meist öffnet sich ganz überraschend doch noch irgendwo ein Türchen, um die nächste Hürde noch zu nehmen.
Aber ja, um ehrlich zu sein: Eine Kursänderung ist angesagt. Tauchen ist nicht mein Ding, ich möchte ganz gerne auch wiedermal auf der Luftmatratze (es muss ja nicht gleich eine Jacht sein) liegen, die Beine ausstrecken, mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und mich sorglos auf der Oberfläche treiben lassen.
Genau. Diesen Wunsch sende ich mal nach oben ab...

Kommentare:

  1. Dodo, das ist die richtige Einstellung - mehr sag ich jetzt mal nicht dazu außer, dass ich Dich ganz dolle drücke!
    Bussi
    mo

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  2. Genau. Dieses "Power-nippel-dings-bums-da" mache ich auch jeden Morgen. Immer nach dem ersten Kaffee und entsprechender Zigarette, sitze ich ganz ruhig, relativ entspannt und relaxt so da, betrachte dabei in Ruhe die komischen Badfliessen. Jedenfalls solange, bis der Hund mich daran erinnert, dass er nun auch dran sei und ich genug Zeit im Bad "verbraucht" habe. ;-)
    Das ist also "Power-napping"? Muss de Isch sich merken. ;-)


    Der Rest sollte zum Teil schon Schnee von gestern sein, da draussen nun sicher Frühling wird und es hier zwar langsam, aber dafür mit einer chaotischen Selbstverständlichkeit weiter geht. Auch wenn an der Gesamtheit des Planes immer wieder ein paar Veränderungen vorgenommen werden sollten, es kommt nicht nur gut, sondern es wird am Ende auch gut. Dann kannst du dich mal zur Abwechslung auf dein "Lufttaxi" legen, um dich in die Weiten deiner Gefühlsträume entführen zu lassen. ;-) Klingt das nicht gut? ;-)

    Bis später und so.

    Dein "de Isch"

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  3. Liebe Dodo,

    du beschreibst all dies auf so wundervoll bildliche Weise. Ich kann es mir richtig gut vorstellen. Aber vor allem merke ich, dass du sehr positiv eingestellt bist und daher sicherlich deinen Sonnenschein finden wirst! Deine Worte bauen mich auch richtig auf, meinem Weg weiter zu folgen und auf mich aufzupassen. Eben nicht alles machen zu müssen, sondern auch Dinge zur Seite zu schieben die mir nicht gut tun.

    Ich wünsch dir alles Gute, dass du deinen Weg gehen kannst!

    Alles Liebe

    Laura

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  4. Liebe mo
    danke fürs Drücken - schön, dass du immer irgendwo da draussen in der Parallelwelt bei Rolf und mit mit dabei bist.

    Lieber Rolfi
    na ja, das mit dem Power-napping... betrifft eigentlich eher die Mittagszeit, wenn man schon so einiges an Energie verbraucht hat. Der von dir beschriebene Vorgang schliesst eher noch direkt ans Haupt-napping an. Pass bloss auf, dass du nicht irgendwann von der Schüssel kippst! Ich wundere mich sowieso jeden Morgen, dass du im halben Blindgang heil unten an der Treppe ankommst ...

    Liebe Laura
    Ja, ich finde meinen Sonnenschein. Jetzt, wo sie scheint, sowieso, wobei ich mich auch an Zeiten erinnere, wo selbst das schönste Sommerwetter an einer Glasglocke um mich herum abzuprallen schien. Anderes Leben...
    Aber es gibt halt auch Dinge, die man nicht beliebig zur Seite schieben kann. Wenn die einen einholen, wird's erst richtig ungemütlich. Steuern sage ich da nur. Wir müssen die hierzulande ja selbst zusammensparen und abliefern. Aber wie du im nächsten Beitrag lesen wirst, geht's bereits wieder doll bergauf - hoffe ich doch stark, nachdem dies nun endlich klappt!

    Seid alle herzlich umarmt
    Dodo

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